Nova Scotia – Entlang der Bay of Fundy & des Annapolis Valley

Vom Kejimkujik-Nationalpark fahren wir nordwärts Richtung Bay of Fundy und freuen uns schon darauf wieder an der Küste zu sein. Die Bay of Fundy ist geprägt von einem außergewöhnlich hohen Tidenhub (Unterschied zwischen Ebbe und Flut) von bis zu 21 Metern (Rekordmessung). Täglich schwappen 160 Mrd. Tonnen Wasser durch das Areal, wobei jedoch der durchschnittliche Tidenhub bei circa 13 Metern liegt. Trotzdem recht beeindruckend!

Der Hafen von Digby
Der Hafen von Digby

Unser erstes Ziel ist Digby, eine Stadt im Nordwesten Nova Scotias im Annapolis Valley. Wir steuern zunächst die Touri-Info an, um uns einen Überblick über die Region zu verschaffen und entschließen uns die Digby Neck Peninsula entlang zu fahren. Am Ende der Peninsula angekommen, erwartet uns ein schöner Ausblick auf das Meer sowie Brier Island, auf das man mit einer kleinen Fähre übersetzen kann. Wir entschließen uns allerdings gegen Brier Island und fahren zurück nach Digby und spazieren die Waterfront entlang und rüber zum kleinen Hafen mit seinen vielen Fischerbooten. Vom Bockerl aus, welches wir mit Sicht auf den Hafen geparkt haben, können wir bei einem kleinen Bürotag, den extremen Wechsel zwischen Ebbe und Flut ganz gut beobachten. Bei Ebbe sinken die Schiffe bis auf den Grund ab und stehen quasi trocken! Wir nutzen noch ein bisschen das kostenlose Wifi vor Ort und begeben uns auf die Suche nach einem Stellplatz für die Nacht. Wir werden in einem Seitenweg fündig und stellen den Bus an einer versteckten Stelle ab. Ein kleiner Waldweg führt uns an den Strand. Hier herrscht immer noch Ebbe und wir spazieren über den noch frei gelegten Meeresboden und lauschen den Möwen und anderen Meeresvögeln. Bei einem Bierchen freuen wir uns über diesen spitzenmäßigen Stellplatz und beobachten den Sonnenuntergang über der Bucht und genießen unsere Freiheit an einem solch schönen Ort.

Ein Lagerfeuer am Meer

Das Frühstück verlegen wir wieder an die Bucht und fahren dann weiter ostwärts die Küste entlang. Nach nun mehr als einer Woche unterwegs, reisen wir langsamer. Wir haben ja Zeit! Unser Weg führt uns entlang der Küste über Smith`s Cove und Deep Brook, wo wir einen YMCA (eine Art kommunales Sportzentrum) finden, in dem wir kostenlos duschen können. Es geht einfach nichts über eine warme Dusche! Endlich sauber geht es weiter nach Annapolis Royal, eine der ältesten Siedlungen Kanadas, die 1605 gegründet wurde. Das kleine Städtchen begeistert uns mit seinem schönen Blick auf die Bucht und dem Farmers Market. Wir schlendern über den Markt, wo Händler regionale Spezialitäten und handgemachte Produkte anbieten. Eine Kunstgalerie in einem bunten kleinen Haus ist der Höhepunkt. In jedem Raum verkaufen diverse lokale Künstler ihre Stücke. Von handbemalten Porzellanfliesen, über Ölbilder und selbstgenähte Taschen. Annapolis Royal ist wirklich eine hübsche kleine Stadt.

Wir fahren nun weiter die Küste entlang über kleine Dörfer wie Parkers Cove, Hampton und Margaretsville, bis nach Kingston. Da es bereits nach 18:00 Uhr ist, steht wieder die Stellplatzsuche an. Raus aus Kingston Richtung Meer, fahren wir über eine geteerte Buckelpiste, die es in sich hat! Aber wer schön schlafen will, muss abseits suchen! Wir suchen und suchen und fahren schließlich eine nie enden wollende Schotterpiste entlang, als wir DEN Spot finden! Leider parkt hier schon eine Kanadische Familie, die hier die Nacht über gecampt hat und nach einem Ratsch erfahren wir, dass sie heute eh wieder nach Hause fahren. Wir haben den Strand für uns! Der Strand ist umrundet von Felsen, die zum Teil von den starken Gezeiten soweit ausgespült wurden, dass kleine Höhlen entstanden sind. Von der Straße her kommend läuft ein Bach, umrundet von Wald, ins Meer. Hier bleiben wir! Genauso haben wir uns das Reisen vorgestellt! Wir sammeln Feuerholz und zünden unser erstes Lagerfeuer am Meer an. Das Leben ist schön!

In der Nacht hat es zu regnen angefangen. Wir machen uns im Bockerl Rührei mit Speck und beschließen den Tag heute bei Internet in Kingston zu verbringen und ein bisschen an unserem Blog zu arbeiten. Am Abend steuern wir mal wieder einen Campingplatz (Aylesford) an und waschen endlich mal Wäsche und füllen unsere Wasserreserven auf. Nach einem recht ereignislosen Tag treibt es uns wieder auf die Straße. Wir steuern Halls Harbour an. Ein kleines Fischerdorf an der Bay of Fundy. Aktuell herrscht Ebbe und die Schiffe liegen auf Grund. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wie stark hier die Gezeiten ausgeprägt sind! In Halls Harbour gibt es eigentlich nicht viel zu tun, außer den schönen Blick auf das Meer zu genießen und einen kleinen Abstecher ins Hummerrestaurant inklusive kleinem Touri-Shop zu machen. Hier verkaufen sie auch lebende Hummer aus dem Becken. Von klein, über mittel bis groß. Groß ist nicht groß. Groß ist gigantisch! Schon allein die Scheren dieser Hummer sind so groß wie meine beiden Hände zusammen.

Wir fahren weiter die Küste entlang, vorbei an „The Look Off“ bei Arlington, wo man einen Panoramablick über das Annapolis Valley bzw. Minas Basin hat. Wir führen einen kleinen Plausch mit zwei einheimischen Kanadierinnen, als wir unseren ersten Weißkopfseeadler sichten! Bisher war das Wildlife eher von Kanadiern auf ihren fahrbaren Rasenmähern geprägt. Eine sehr häufig vorkommende Spezies hier, die man bei Sonnenschein alle fünf Meter beobachten kann. Wie dem auch sei, der Weg führt uns weiter ans Cape Split. Eine kleine Halbinsel die ins Minas Basin ragt und von der Bay of Fundy trennt. Der Tag ist schon recht weit fortgeschritten und wir machen uns auf die Suche nach einem Schlafplatz. Oh ja und DEN haben wir auch gefunden! Auf einer Anhöhe mit Blick aufs Meer und ein paar Minuten zu Fuß zum Walton Lighthouse, dem wir gleich mal einen Besuch abstatten. Bei Sonnenuntergang gehen wir auf den Leuchtturm und genießen die einmalige Aussicht, diesmal bei Flut. Leider schließt der Leuchtturm um 20:00 Uhr und wir machen einen Spaziergang zum schwarzen Schieferstrand und lassen den Tag ausklingen.

Alles dreht sich um das Meer...

Morgens Ebbe, abends Flut. Wir kommen meist abends bei Flut an und genießen Sonnenuntergänge in allen Rot- und Lilatönen und stehen am nächsten Morgen bei Ebbe wieder auf. Die Landschaft der Bucht hat sich komplett verändert. Der Meeresboden ist komplett freigelegt. So auch an diesem Morgen. Bei einem Kaffee, trabt sogar noch ein Reh vorbei. Es ist einfach traumhaft den Tag so zu beginnen. Nachdem wir gestern nur kurz beim Walton Lighthouse waren, machen wir nochmal einen Abstecher dort hin. Wir genießen die neue Aussicht bei Ebbe und beobachten einen Weißkopfseeadler, der seine Kreise über die Bucht zieht. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, fahren wir weiter nach Noel zum Burntcoat Head Park. Der Park ist bekannt für seinen Tidenrekord, verzeichnet in 1975, und enttäuscht uns nicht! Wir laufen über den roten Grund des Meeres, vorbei an einer, mit Bäumen bewachsenen, kleinen Insel, die nun ebenfalls komplett frei steht und man so direkt an den Felsen entlang wandern kann. Weit hinten am Horizont sieht man das Meer noch.

Nach einem langen Spaziergang verlassen wir Burntcoat Head und fahren nach Truro. Eine relativ große Stadt an der Bay. Da wir allerdings nach all der vielen Natur nicht so große Lust auf Trubel haben, beschließen wir dem Victoria Park einen Besuch abzustatten. Eine kleine Oase inmitten der Stadt. Es fängt unspektakulär an und endet mit einer Biberbegegnung! Endlich sehen wir mal was anderes als rasenmähende Kanadier! Der kleine Scheißer schwimmt neben uns im Fluss und wir freuen uns, doch den Spaziergang durch den Park gemacht zu haben! Leider ist es schon wieder recht spät und wir müssen uns auf die Suche nach einem neuen Schlafplatz machen. Wir fahren die Küste entlang und in einige Seitenstraßen rein. Viele führen zu Häusern, wenige ins Paradies. Eine der wenigen finden wir. Am Thomas Cove Costal Reserve. Umringt von Wald parken wir das Bockerl und gehen erst mal zum Strand und stolpern förmlich über ein Stachelschwein. Das arme Vieh erschreckt sich so sehr, dass es sich vor uns erst mal auf einen Baum flüchtet und den ganzen Abend nicht mehr runter kommt.

Auch der nächste Morgen steht dem gestrigen Tag in nichts nach. Da wir hier immer noch tutto kompletto allein sind, weihen wir unsere Dusche ein und frieren uns trotz des Sonnenscheins erst mal die Ärsche ab. Wenigstens sind wir jetzt wach! Ab zum Strand! Wie jeden Morgen hat sich das Bild der Bucht durch den Tidenhub verändert. Gestern Flut. Heute Ebbe. Es ist wunderschön! Schuhe aus und barfuß durch den Sand. Wir verbringen den Tag bei Sonne am Strand, probieren die Drohne aus und lassen sie über die Bucht fliegen. Während Thomas ein paar Luftaufnahmen macht, packe ich ein Buch aus und genieße die Sonne, als auf einmal ein Biber aus dem Gebüsch gelaufen kommt. Der kleine Brocken rennt über die Bucht und ignoriert uns einfach. Nicht so wie das arme Stachelschwein! Wir können sagen, jeder Tag ist bisher immer besser geworden und wir freuen uns schon auf die Kommenden!

Der Weg führt uns weiter über das Five Island Lighthouse und Parrsboro, wo wir einen kleinen Bürotag an der Bücherei (hier gibt es meist kostenfreies und schnelles Internet) einlegen, bis wir am Cape d`Or landen. Leider kommen wir erst recht spät an und haben somit nur ein bisschen Zeit die wahnsinns Aussicht zu genießen. Wir parken oberhalb des Cape d`Or Leuchtturms und spazieren den steilen Weg hinunter. Von hier aus haben wir eine traumhafte Sicht auf die umliegenden Klippen, an denen sich die Brandung bricht. Seinen Namen verdankt der Ort seinen ehemals goldenen Klippen. In früheren Zeiten hatte man hier auch nach Gold (Französisch: Or) gesucht, bis sich herausstellte, dass es sich nur um Kupfer handelt. Das Cape ist eine Landspitze die den Nordpunkt des Eingangs zum Minas-Becken, das für die höchsten Tiden der Erde bekannt ist, markiert. Hier treffen die Gezeiten der Bay of Fundy und die des Minas Basin aufeinander. Man bekommt hier einige der mächtigsten Kollisionen von Gezeiten zu sehen, die, zusammen mit Unterwasserobstruktionen, sichtbare Riptide verursachen, die Dory Rips genannt werden. Diese Turbulenzen resultieren aber nicht nur aus einer „simplen“ Flut, sondern aus der Kollision von drei gegensätzlichen Gezeitenströmungen, deren Gewalt durch das Vorhandensein eines unterirdischen Riffs verstärkt wird, das das Wasser nach oben treibt. Der mächtige ankommende Tidenstrom krümmt sich zurück und kollidiert mit sich selbst, während ein anderer Strom halbkreisförmig um die Advocate Bay herum in einem 90-Grad-Winkel in den Kollisionspunkt einschlägt. Lange Rede, kurzer Sinn: das Resultat sind schräg stehende kleine Wellen und v-förmig aufeinander zulaufende Strömungen. Sieht aber trotzdem klasse aus! Oberhalb des Leuchtturms gibt es noch einige Wanderwege, die eine mega Aussicht auf die Felsen und die umliegenden, mit hohem Gras und krummen Bäumen, bewachsenen Hügel. Hier schlagen wir erst mal unser Lager für die Nacht auf und genießen den Anblick bei einem kleinen Absacker.

Regen, Regen, Regen und ein undichtes Bockerl

Leider lässt uns langsam das Wetter im Stich. Bei Regen fahren wir über Advocate Harbour weiter zu den Joggins Fossil Cliffs. Eine der bedeutendsten Fundstellen für Fossilien. Der Fossilienbestand umfasst Arten, die bei Joggins erstmals definiert wurden und von denen einige nirgendwo sonst auf der Erde zu finden sind. Also machen wir uns trotz des scheiß Wetters auf an den Strand. Aber ganz ehrlich? Auch wenn uns ein Fossil über den „Weg gelaufen“ wäre, hätten wir es nicht erkannt. Wir haben gefühlt alle Steine am Strand umgedreht und natürlich nix gefunden. Wenigstens haben wir uns dann ein paar Versteinerungen im angrenzenden Museum angeschaut. Da aus uns also keine Archäologen werden, fahren wir lieber weiter und suchen ein Plätzchen für die Nacht. Das können wir inzwischen ganz gut. Bis auf heute. Da will einfach nichts klappen. Es regnet immer noch. Das Bockerl ist undicht und beim Rückwärtsfahren rammen wir erst mal eine Birke und brechen uns den anderen Verschluss für das Heckgestänge ab. Der Schlafplatz liegt dazu noch direkt an den Gleisen und eine gefühlt 5 km lange Eisenbahn fährt ebenso lange tutend vorbei. Gute Nacht!

Heute ist unser siebter Jahrestag! Das verflixte siebte Jahr! Wir sind uns jedoch sicher, dass es gar nicht so verflixt wird! Allerdings feiern wir nicht viel, sondern verlassen die Bay of Fundy über den Transkanadischen Highway gen Osten nach Cape Breton.

Highlights

  • Annapolis Royal – Besuch des Farmers Market
  • Sonnenuntergang an Walton Lighthouse
  • Burntcoat Head Park bei einem Spaziergang über den Meeresboden
  • Tidenhub beobachten (ganze Bay of Fundy)
  • Ein Tag am Strand des Thomas Cove Costal Reserve
  • Cape d`Or

1 Kommentar

  1. Eva Schygulla
    14. August 2018

    Hallo ihr Globetrotter,
    Super Beiträge – hatte das Gefühl fast dabei gewesen zu sein 🙂
    Liebe Grüße und eine weiterhin tolle Reise
    Eure Mamschy

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