Yukon – Dawson City und der tote Zeh im Glas

Nach dem grandiosen Dempster Highway erreichen wir mal wieder die Zivilisation: Dawson City. Dawson ist eine der geschichtsträchtigsten Städte in Kanada und war mal Zentrum des Klondike Goldrausches. Die Straßen sind immer noch unbefestigt (wegen des Permafrostbodens) und die Gebäude sehen noch wie in alten Cowboyfilmen aus.

Das Ortschild von Dawson City
Das Ortschild von Dawson City

Nach einigen Tagen auf dem Dempster ist es schön auch mal wieder in der „Stadt“ zu sein. Anführungszeichen deshalb, weil Dawson recht überschaubar ist und nur 1.300 permanente Einwohner hat. Wir gönnen uns zunächst mal wieder eine warme Dusche und spritzen das Bockerl mit dem Dampfstrahler ab, um es von den getrockneten Matschmassen des Dempsters zu befreien. Als wir Drei wieder sauber sind, fängt es an zu regnen als ob es kein Morgen gäbe. Hätten wir uns den Dampfstrahler auch sparen können.

Ein Glas Whiskey mit totem Zeh, bitte!

Wir haben richtig Lust mal wieder ein Bier zu trinken! Schon auf dem Dempster haben wir uns darauf gefreut. Leider ist es inzwischen schon 19:00 Uhr und der einzige Liquor Store der Stadt hat schon zu. Wir parken das Bockerl vor dem Visitor Center, wo wir kostenlos übernachten können, und machen uns auf ins Downtown Hotel. Dann gehen wir eben ein Bier trinken. Allerdings steht in diesem Hotel nicht das Bier im Vordergrund, sondern der sogenannte Sourtoe Cocktail. Der Sourtoe Cocktail besteht aus einem Glas Schnaps in dem ein eingelegter menschlicher Zeh schwimmt. Und ja – der Zeh ist echt!

Das Downtown Hotel in Dawson City
Das Downtown Hotel in Dawson City

Entstanden ist die ganze Sache folgendermaßen: in den 20er Jahren sind zwei Brüder in einen Schneesturm geraten und dabei ist einem der beiden der Zeh eingefroren. Da der Zeh schon abgestorben war, hat der Bruder ihm diesen dann mit einer Axt abgehackt und in ein Glas Alkohol zur Konservierung eingelegt. Als Erinnerung sozusagen. Die Legende besagt, dass Captain Dick Stevenson 1973 das Glas, inklusive Zeh, in einer abgelegenen Hütte gefunden hat. Der Captain hatte dann wohl die glorreiche Idee einen Drink mit Zeh anbieten, den nur Mitglieder eines exklusiven Clubs trinken dürfen. Der Sourtoe Cocktail Club. Um eben in diesen Club aufgenommen zu werden müssen die Anwärter den besagten Cocktail trinken wobei der Zeh die Lippen berühren muss.

Natürlich ist das Spektakel auf Touristen abgestimmt, aber wir lassen es uns trotzdem nicht entgehen. Für 5$ kaufen wir uns ein Glas Whiskey und stellen uns in der Reihe mit anderen Touristen an. Vorne sitzt der Captain, ein weißbärtiger älterer Herr aus Dawson, der wirklich wie ein Kapitän aussieht und macht seine Show für jeden Trinkenden. Als Nächstes sind wir dran, zahlen weitere 5$ Zehengebühr und geben ihm unsere Ausweise. Die Ausweise braucht er wegen der Namen, die auf die Urkunde geschrieben werden. Diese bekommt man, wenn der Zeh beim Austrinken die Lippen berührt hat, folgend der Legende. Dann ist man Mitglied im „Sourtoe Cocktail Club“. Regeln gibt es auch, die mit einer Strafe von 2.500 $ geahndet werden: du darfst nicht in den Zeh beißen, nicht an ihm lutschen und schlucken natürlich auch nicht. Unser Zeh ist der Vierzehnte. Fünf wurden geschluckt, zwei wurden geklaut und einer ging verloren. Die anderen Zehen, sind mit der Zeit eben verwest. Nachschub gibt es immer, da viele Leute ihre Zehen spenden, wenn sie sie verloren haben. Der Captain erklärt uns nochmal diese Regeln und dann geht’s los:

Vor dem Schnapsbad ist der Zeh auf Salz gebettet, Downtown Hotel, Dawson City, Yukon, Kanada
Vor dem Schnapsbad ist der Zeh auf Salz gebettet.

Der Zeh sieht aus wie ein kleines Stück Kackwurst mit Nagel. Bitte entschuldigt die Umschreibung, aber die trifft es am besten. Der Captain nimmt den dunkelbraunen Zeh in die Hand und fuchtelt vor unserer Nase rum: „You can drink it fast, you can drink it slow, but your lips must touch the toe“ (Du kannst ihn schnell trinken, du kannst ihn langsam trinken, aber der Zeh muss deine Lippen berühren) und schmeißt ihn ins Glas. Los geht’s: Prost! Bei uns beiden bleibt der Zeh am Boden des Glases kleben und nur mit Schütteln und Klopfen rutscht er runter und berührt unseren Mund. War eigentlich gar nicht so schlimm, dafür aber sau lustig! Wir bekommen unser Sourtoe Certificate und sind nun die 8.3215. und 8.3216. Mitglieder!

Auf der Suche nach dem Gold

Es hat aufgehört zu regnen und wir machen uns auf in die Bonanza Creek Road. Hier kann man am Claim #6 kostenlos Gold schürfen. Sascha aus Whitehorse hat uns hierfür extra seine Goldwaschpfanne geliehen. Auf dem Weg dorthin und auch um ganz Dawson herum, sieht man wie das Gold die Region bestimmt. Die Erde ist aufgebuddelt und überall türmen sich Kieshaufen, die durch das Graben aufgeschüttet wurden. Ein kanadisches Pärchen zeigt uns wie das mit dem Gold waschen funktioniert: vom Uferrand des Flusses den Matsch in die Pfanne, Wasser rein und langsam schwenkend auswaschen. Das Gold sollte dann aufgrund seines Gewichts am Boden der Pfanne liegen bleiben. Leider bleibt der dicke Goldfund aus. Einmal dachte Thomas er hätte „Blattgold“ gefunden, war aber was anderes. Einen Claim davor kann man unter Anleitung schürfen und es wird ein Goldfund garantiert. Dafür zahlt man halt dann auch. Auch wenn wir leider nicht reich geworden sind, hat es trotzdem Spaß gemacht!

Als nächstes geht es hoch zum Midnight Dome, ein Berg von dem man einen tollen Ausblick auf das Klondike Valley, den Yukon River und Dawson City haben soll. Die Aussicht war nett, hat mich jetzt aber nicht von den Socken gerissen. Auf dem steilen Weg nach unten, fangen unsere neuen Bremsen das Stinken an. Ich bekomm natürlich die Krise, weil ständig was an diesem Schrotthaufen ist! Thomas beruhigt mich, dass das bei der langen, steilen Abfahrt normal ist, aber das Bockerl nervt trotzdem.

Wir beschließen noch eine weitere Nacht an der Touri-Info zu bleiben und machen abends noch einen Spaziergang durch die alte Stadt. Ich persönlich finde Dawson City klasse! Die meisten Städte die wir bisher besucht haben, haben meiner Meinung nach, kaum Charakter. Sie sind alle irgendwie gleich. Dieselben Fast Food Ketten, dieselben Läden und immer die gleichen Bauten. Dawson ist interessant, schon allein wegen der Geschichte des Goldrausches. Wenn man durch die Straßen schlendert, und die vielen Hotels außer Acht lässt, fühlt man sich zurück versetzt in die Zeit der Goldgräber.

Dieser Spruch stand an einer Hauswand in Dawson. Ersetzt man das das Wort Gold mit Money, dann ...
Dieser Spruch stand an einer Hauswand in Dawson. Ersetzt man das das Wort Gold mit Money, dann ...

Am nächsten Morgen machen wir uns über den Top of the World Highway auf nach Alaska. Um Dawson Richtung Norden zu verlassen, müssen wir jedoch den Yukon River mit einer kostenlosen Fähre überqueren. Dann geht es für uns auf in die USA und auf zu unseren ersten "offiziellen" Grenzüberquerung.

Highlights

  • Gold schürfen am Claim #6
  • Downtown Hotel
  • Midnight Dome

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