Hyder – Ein kurzer Ausflug nach Alaska

Mit jedem Kilometer Richtung Norden, fahren wir weiter in die Wildnis. Wo am Anfang noch Warnschilder „Achtung, die nächsten 10 km Elche“ stehen, warnen die Schilder nun vor Bären. Auch der Wald wird immer dichter. Städte gibt es gar keine mehr. Höchstens mal einen kleinen Ort mit einer Tankstelle und einem kleinem Geschäft. Wir sind nun auch nur noch 50 km von Hyder, Alaska, entfernt. Das Dorf mit knapp 100 Einwohnern ist komplett von den USA bzw. Alaska abgeschnitten und nur über Kanada erreichbar. Wir hoffen, dass bei der Einreise unser Amerikavisum noch nicht aktiviert wird. Unser B1/B2 Visum hatten wir in Deutschland beantragt und gilt für sechs Monate. Sobald wir in die USA einreisen, fängt die Zeit an zu laufen. Unabhängig davon ob wir zwischenzeitlich wieder in Kanada sind, tickt die „Visumsuhr“ weiter.

Caution Bears Schild in der Nähe von Hyder Alaska

Die Strecke bis nach Hyder ist der Hammer! Wir biegen vom Stewart Cassier Highway auf einen Nebenstrecke ab, den Highway 37a, ab. Wir fahren durch Schluchten vorbei an Bergen, Wasserfällen und einem Gletscher (Bear Glacier) der in einen Fluss mündet. Es ist gerade Anfang August, allerdings sind wir schon so weit im Norden, dass man merkt wie es langsam immer kühler wird.

Bevor wir jedoch nach Alaska einreisen, landen wir erst einmal in Stewart. Eine Kleinstadt in B.C., die direkt an der Grenze zu Alaska liegt. Zu Stewart gibt es nicht viel zu sagen. Mit seinen knapp 500 Einwohnern, hat es außer ein paar Geschäften nicht allzu viel zu bieten. Das findet wohl auch der einzige Polizist in Stewart und hält ununterbrochen irgendwelche Autos auf, die die Maximalgeschwindigkeit von 10 km/h überschreiten. Was bei diesem Tempolimit ja auch nicht schwer ist. Aber irgendwie muss ja Geld in die Kasse fließen.

Warum rentiert sich dennoch ein Ausflug in diese Ecke? Die Landschaft ist der Knaller! Stewart und Hyder liegen in einem ausgedehnten Gletschergebiet. Zwei der Gletscher sind auch mit dem Auto zu erreichen: der oben genannte Bear Glacier und der Salmon Glacier. Zu letzterem gelangt man über eine Schotterpiste auf Alaska-Seite, welchen wir allerdings nicht besucht haben. Eine weitere Attraktion ist die Fish Creek Wildlife Observation Site. Hier schwimmen im Sommer tausende von Lachsen über den Portland Kanal zum Laichen den Fluss hinauf. Es gibt eine hölzerne Aussichtsplattform, die von dutzenden Touristen mit Riesenobjektiven bevölkert ist, von der aus man für ein paar Dollar, wenn man Glück hat Schwarzbären, Grizzly's, Fischotter und Lachse beobachten kann.

Eine Grenze, die irgendwie gar keine ist

Wir fahren über die „Grenze“ von Kanada nach Alaska. Die Grenze erkennt man an den Schildern „Entering Alaska“ und „Welcome to Hyder, Alaska“. Das war’s. Keine Grenzbeamten. Nichts. Gut für uns, da somit unser Visum noch nicht zu laufen beginnt.

Grenzübergang bei Hyder
Grenzübergang bei Hyder

Nach ein paar Metern ist man dann auch schon in Hyder. Das einzige Geschäft des Ortes hat zu und auch sonst ist keiner auf der Straße. Wirkt ein bisschen wie eine Geisterstadt. Nach zwei Kurven und einem kleinen Campingplatz später, ist man auch schon wieder draußen. Wir fahren ein paar Kilometer weiter Richtung Fish Creek und werden standesgemäß mit einem Weißkopfseeadler, dem Wappentier der USA, begrüßt. Am Fish Creek zahlen wir 7 kanadische Dollar (man kann hier in US$ und CAN$ bezahlen) für ein Dreitagesticket und schlendern den Holzsteg entlang. Ein paar Fotografen mit ihren Teleobjektiven stehen schon für die Bären bereit. Leider lässt sich keiner Blicken. Dafür ist der Bach voll mit Lachsen.

Weißkopfseeadler sitz auf einem Baumstamm

Während Frankfurt-Thomas und Susanne sich schon auf den Weg zu unserem Übernachtungsplatz, eine Kiesfläche kurz hinter dem Fish Creek machen, fahren Thomas und ich nochmal zurück nach Stewart, da wir schon einmal neue Bremssättel in Whitehorse bestellen wollen. Der Grenzübertritt dauert genau fünf Minuten. Die Kanadier haben hier tatsächlich einen Grenzbeamten postiert. Warum? Keine Ahnung. Aber es werden die obligatorischen Fragen gestellt: „Habt ihr Alkohol, Drogen oder Waffen dabei?“, „Habt ihr was in Alaska eingekauft?“? Ja klar! Der einzige Laden da drüben hat zu!

Wir rufen bei Napa, einem Autoteilehandel, an. Die Arbeitsmoral der Kanadier ist allerdings keinesfalls mit der in Deutschland zu vergleichen. Wenn ich bei diesem Telefonat eines gelernt habe, dann nicht zu schnell zu reden und vor allem nicht zu viele Frage zu stellen. Beim Anruf falle ich mit der Tür ins Haus und lande im Wurmloch der Warteschleife. Ergebnis: keins. Auch nach mehreren weiteren Versuchen, werde ich einfach in die Warteschleife gesteckt. Merke für das nächste Mal: zunächst fragen wie es denn so geht. Langsam Smalltalk führen und warten bis der Kanadier auf der anderen Seite der Leitung frägt, was ich brauche. Erst dann ist er bereit. Nur kein Stress.

Ein Bär im Nacken?

Also zurück nach Alaska. Wir parken neben Susanne und Thomas und machen es uns gemütlich. Auf dem Parkplatz liegt überall Bärenscheiße und wir halten die Bärensprays neben uns. Man weiß ja nie. Auf einmal hören Susanne und ich hinter uns ein lautes Schnaufen. Stille. Wir schauen beide über die Schulter und ich frage „Hast du das auch gehört?!“. Susanne: „Ja, da hat etwas ganz laut geatmet!“. Thomas: „Sorry, hab grad aufgestoßen.“ Frankfurt-Thomas: „Mann, seid ihr empfindlich!“. Doch kein heimtückischer Bärenangriff von hinten. Auch am Fish Creek haben wir weiterhin kein Glück. Wir probieren es am Abend und am nächsten Morgen nochmal. Aber keine Bären. Dafür aber ein Fischadler und eine Fischotterfamilie.

Fischotterfamilie am Fish Creek in Hyder, Alaska
Fischotterfamilie am Fish Creek in Hyder

Wir machen uns wieder auf zum Stewart Cassier Highway und kommen an einem Gletscherfluss vorbei, der voll mit Weißkopfseeadlern ist. Wir zählen sieben Adler auf einem Haufen. Das ist schon beeindruckend.

Fünf Weißkopfseeadler am Gletscherfluss

Weiter auf dem Highway wird es noch einsamer. Tankstellen gibt es nun auch nur noch alle 150 km. Die Landschaft wird noch bergiger und die Temperaturen kühlen weiter ab. Am Straßenrand blühen überall pinke, große Blumen. Das sogenannte Fireweed, das im ganzen Norden verbreitet ist. Wir sind gefühlt alleine auf der Strecke unterwegs und man sieht meilenweit nichts außer Wildnis. Vor zwei Tagen war diese Teilstrecke wegen einem Waldbrand noch gesperrt. Für circa 200 km fahren wir durch Rauch. Es stinkt nach verbranntem Holz und überall sehen wir die verkohlten Baumstämme. Der Brand hat hier ordentlich gewütet. Wir verlassen die 37 bei Watson Lake, ein Drehkreuz in den Norden, und erreichen die Provinz Yukon. Hier haben wir endlich wieder Telefonnetz und diesmal probiert Thomas sein Glück bei Napa. Er hat mehr Erfolg und bestellt die Bremssättel, die in einer Woche in Whitehorse sein sollen. Also auf nach Whitehorse!

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