Das Bockerl

Warum Bockerl? Irgendwie sieht er schon ein bisschen komisch aus?! So zerknautscht und eckig…wie ein Rammbock! Mal davon abgesehen, dass der Bus doch recht seltsam aussieht, hat er am Anfang auch ordentlich gebockt! Der Name ist also Programm!

Warum fiel die Wahl auf eine L300?

Die Wahl des Fahrzeuges war definitiv von unserem Budget abhängig. Das war nämlich nicht besonders hoch...aber WAS wir am Anfang alles wollten: darin stehen können, zuschaltbarer Allrad und vor allem komfortabel sollte der Wagen sein! Allerdings sind wir mit der Zeit immer “kleiner “ geworden: ein großes Fahrzeug (MAN o.ä.) verbraucht mehr Sprit, kostet bei Verschiffungen mehr, enge Pisten zu fahren ist mit so einem Gerät auch nicht so einfach wie mit einem kleinen, wendigen Wagen! Wir haben viel von anderen Overlandern gelernt. Haben diverse Websiten anderer Reisenden durchforstet und uns über deren Fahrzeugwahl erkundigt. Letztendlich sind für uns zwei Fahrzeuge in Frage gekommen:

  • Toyota Land Cruiser z.B. HZJ78 oder ähnlich
  • Mitsubishi L300 4WD

Das Problem am Toyota Land Cruiser ist, dass er kaum zu bezahlen ist. Das Auto gilt weltweit als äußerst widerstandsfähig und robust. Kilometerstände jenseits der 500.000km sind keine Seltenheit, wenn man sich um das Auto kümmert. Diese Motorlaufleistung und Qualität hat ihren Preis. Unabhängig vom Kilometerstand und dem Alter des Autos muss man beim Land Cruiser mit mindestens 30.000€ Kaufpreis rechnen. Und das wäre dann ein Schnäppchen. Die Regel ist allerdings eine Preismarke jenseits der 50.000€.

Also blieb nur noch der Mitsubishi L300 4WD. Dieser ist teilweise sehr günstig zu bekommen. Als dann eine Online-Anzeige für einen L300 4WD inkl. Expeditionsausstattung auftauchte, schlugen wir zu.

Das Bockerl und der Ausbau

Unser Bockerl ist ein Mitsubishi L300 2.5 TD 4wd (Baujahr 1996, 87 PS), den wir uns zum fünften Jahrestag, 2016, geschenkt haben. Er hatte damals schon 220.000 km und zwei Transafrika-Reisen auf dem Buckel. Er erfüllte aber alle Voraussetzungen, die wir an unser zukünftiges Reisefahrzeug hatten (wir waren ja so unwissend!): ein Klappdach, Solarpanel, Wassertank, verstärkte Blattfedern, zuschaltbarer Allrad, Innenausbau vorhanden, offroad-taugliche Bereifung inkl. zwei Ersatzrädern, Sandbleche und so weiter.

Im Nachhinein betrachtet ist es nicht von Vorteil ein bereits fertiges "Expeditionsauto", wie es damals in der Anzeige beworben wurde, zu kaufen. Denn ein Expeditionsauto, wie der Name schon sagt, hat schon so manche Expedition hinter sich. Kurz - das Ding ist schon ziemlich durchgerödelt. Und all' die tollen Features, die das Auto schon hatte (Elektrik, Solarpanel, Wohnbatterie, Wassersystem), haben wir letztendlich nochmal neu gemacht. Im Endeffekt haben wir einen überteuerten, abgewrackten Mitsubishi L300 gekauft. Und den galt es erst mal wieder auf Vordermann zu bringen.

Es war zu schön um wahr zu sein. War es dann letztendlich auch nicht ;)
Es war zu schön um wahr zu sein. War es dann letztendlich auch nicht 😉

Jede Menge Lehrgeld, Erkenntnisse, Schweiß (und auch ein bisschen Blut) sind in den Umbau geflossen. Ein neues Getriebe musste her da uns der Verkäufer das Bockerl bereits mit einem kaputten Getriebe verkauft hatten, was wir leider am Anfang nicht gemerkt haben (Totalschaden! Autsch!). Wir haben dann ein überholtes Getriebe aus der Schweiz geholt, weil die Reparatur des alten Getriebes 3400€ gekostet hätte.

Diverse Rostlöcher mussten gestopft und somit die Karosserie geschweißt, gespachtelt und lackiert werden. Wer schon mal Karosseriearbeiten genießen durfte, weiß was das für eine ätzende Arbeit sein kann. Rost-, Dreck- und Lackreste müssen bis aufs blanke Blech abgeschleift werden damit man schweißen, verspachteln oder lackieren kann. Schon alleine wegen den schwindelerregenden Dämpfen die beim Spachteln, beim Lackieren oder durch nette Hilfsmittelchen wie Nitroverdünner etc. entstehen ist unsere Lebenserwartung sicher um 1 Jahr gesunken.

Der Innenausbau wurde komplett rausgerissen. Wir wollten einen Ausbau, der mehr unseren Bedürfnissen entsprach. Es sollte mehr Raum zum Herumlümmeln geben und die Unterbringung der massiven Wohnraumbatterie, des Druckwassersystems und des Durchlauferhitzers für die Standheizung mussten neu durchdacht werden. Mit Kartons haben wir dann einen neuen Ausbau konzipiert und letztendlich mit Multiplex-Holzplatten umgesetzt. Wenn ihr vorhabt euer Auto selbst auszubauen, dann freut euch schon mal auf den Ausbau. Das hat mit Abstand am meisten Laune gemacht.

Ein Druckwassersystem mit Aktivkohlefilter wurde eingebaut, dass durch einen 63 Liter Tank gespeist wird. Der Kohlefilter filtert 99,9% der Schwebstoffe, Bakterien und Schadstoffe, wie Chlor, Pestizide oder auch Schwermetalle, aus dem Wasser. Dadurch können wir unseren Trinkwassertank mit Flusswasser auffüllen, wenn nötig. Außerdem hat das Wassersystem noch einen Ausgang vor dem Wasserfilter. An diesem Anschluss schließen wir unsere Outdoor-Dusche an und duschen mit ungefiltertem Wasser.

Das Druckwassersystem mit Filteranlage. Links unten die Wasserpumpe, rechts unten der Filter mit Schlauch zur Amatur und dazwischen der Anschluss für die Dusche. Darüber ist der Wassertank
Das Druckwassersystem mit Filteranlage. Links unten die Wasserpumpe, rechts unten der Filter mit Schlauch zur Amatur und dazwischen der Anschluss für die Dusche. Darüber ist der Wassertank

Unsere Stromversorgung besteht aus zwei Komponenten: den Solarpanels und einem B2B-Ladebooster. Die Solarpanels sind hauptsächlich für das Laden der Wohnraumbatterie zuständig. Wenn die Wohnraumbatterie voll geladen ist wird im Anschluss die Starterbatterie des Autos geladen. Der B2B-Ladebooster lädt die Wohnraumbatterie sobald das Auto startet. Er ist zwischen der Wohnraumbatterie und der Starterbatterie zwischengeschaltet. Einfach erklärt, gaukelt der Ladebooster der Lichtmaschine über die Starterbatterie vor, dass die Starterbatterie eine niedrige Ladung hat und geladen werden muss. Die Lichtmaschine produziert also ordentlich Strom der dann aber in die Wohnraumbatterie fließt. Außerdem trennt der B2B-Ladebooster die Wohnraumbatterie von der Starterbatterie was verhindert, dass sich die Batterien gegenseitig entladen können, sollte mal eine platt sein. Ihr solltet die Verlegung der Verkabelung eurer Elektik planen/durchführen bevor euer "Möbelausbau" fertig ist. Damit könnt ihr euch einiges an Ärger ersparen. Niemand möchte Möbel nochmal auseinander schrauben nur um Kabel zu verlegen.

Alles in allem haben uns der Umbau und die Reparaturen ca. zwei Jahre gekostet, weil wir nur an Wochenenden und im Urlaub daran arbeiten konnten. Für unseren ersten Ausbau sind wir ganz zufrieden, allerdings merkt man erst auf der Reise was alles funktioniert und was nicht. Verbesserungsbedarf gibt es immer und manche Dinge würde wir jetzt nicht mehr so machen wie zuvor. Deshalb rate ich euch, was mir bereits unser Reise-Guru Claus geraten hat, fahrt mit dem fertigen Auto erst mal in den Urlaub oder macht einen Wochenendausflug damit, um zu überprüfen, ob wirklich alles so ist, wie ihr es euch vorgestellt habt.

Ausstattung:

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Innenausbau:

Fahrzeugaufrüstung:

  • Verstärkte Blattfedern
  • Schnorchel (Marke “Eigenbau”)
  • Offroadbereifung + 2 Ersatzreifen
  • Sandbleche
  • Schaufel / Klappspaten

 Elektrik:

Sicherheit:

  • Thule Van Lock* - Türverriegelung
  • Vorhängeketten zur Innenverriegelung
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